!!!Umstellung der Welpengruppe!!!

Welpenspielgruppe, Fluch oder Segen?

Diese Frage stelle ich mir seit geraumer Zeit. Ich finde Welpen auch extrem niedlich und extrem entzückend. Aber das Augenmerk sollte in meinen Augen auf der Erziehung und dem gesunden Erwachsenwerden der Welpen liegen.

Dennoch verliefen die Welpengruppen nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe und es war für mich kaum sicherzustellen, dass alle Hundehalter die -in meinen Augen WICHTIGEN- Informationen aus der Stunde mitnehmen konnten. Schon gar nicht, dass alle Teilnehmer Übungen und Verhaltensempfehlungen zu Hause umsetzen konnten .

Doch welche “wichtigen Informationen” kann es denn bei der Welpenerziehung geben, dass eine Welpengruppe zur Sozialisierung des Welpen nicht beiträgt oder dieser sogar entgegen steht?

Viele Welpenbesitzer lesen, dass es beim Welpenspiel darum geht, dass die Hunde gut sozialisiert werden. In der öffentlichen Wahrnehmung ist eine Welpengruppe sehr wichtig und notwendig. Sie soll ja das fortführen,  was durch die Anschaffung des Welpen unterbrochen wurde! Das “Spiel” mit den Wurfgeschwistern! Die Frage, die sich hier stellt, ist es wirklich so?

Die Wurfgeschwister sind ein Rudel, von Geburt an. Sie verbringen den ganzen Tag und die Nächte zusammen, erkunden ihre Welt, finden Dinge die sie mögen und Dinge die sie nicht mögen. Sie pflegen Freundschaften, sie pflegen Ihre Bindung, durch Körperpflege und Kontaktliegen. Sie konkurrieren, um einen Platz im Rudel zu finden.

Und genau dieses Leben, soll eine Welpengruppe nun fortführen.

Doch besonders die Spiele innerhalb einer Gruppe bunt zusammengewürfelter Welpen sind häufiger Ursache für spätere Verhaltensauffälligkeiten, als man denkt. Bis heute belegt keine einzige Studie, das Welpenspielgruppen Angst und Aggressionsverhalten Artgenossen gegenüber verringern!

Was ist den nun anders in einer Welpenspielgruppe?

Eine Welpenspielgruppe besteht aus Hundewelpen, die sich nicht kennen. Sie reagieren unterschiedlich auf Umweltreize, auf soziale Herausforderungen und sind unterschiedlich weit entwickelt. Es treffen die unterschiedlichsten Hunderassen aufeinander, sie sehen anders aus, sie verhalten sich auch anders. Und dann ist auch noch das Umfeld anders, sie kommen das erste mal auf den Hundeplatz. 

Warum Welpenspielgruppen dem falschen Ziel dienen

Ihr wünscht Euch einen Hund, einen perfekten Begleiter, möglichst durch verschiedenste Alltagssituationen, vielleicht sogar auch im Büro. Unser zukünftiger Hund soll freundlich, aber zurückhaltend, aufgeschlossen, aber nicht aufdringlich, absolut zuverlässig, aber nicht dressiert, explorativ aber nicht zu freiheitsliebend, aktiv und sportlich, aber bloß nicht jagdaffin, unkompliziert in Pflege und Ernährungsansprüchen, aber bloß kein Staubsauger oder gar Bettler, Kinder mögen, aber nicht zu stürmisch sein, wachsam, aber bloß nicht bellen, wenn der Postbote klingelt. Anhänglich und verschmust, aber wehe, er wedelt jedem hinterher, der ihn nur freundlich angelächelt hat, und und und.

Das könnte ich stundenlang fortführen. 90 % der Hundehalter möchten einen folgsamen Begleiter, welcher mit möglichst wenig Training genauso toll hört, wie der Superhund vom Nachbarn.

Nun ist meist das Erste, was Welpenbesitzer tun: Der kleine Welpe darf die Welt entdecken. “Hund sein”, laufen, rennen, stundenlange Spaziergänge, tausende Umwelteinflüsse und Hundebegegnungen en masse. Der Welpe soll erstmal das Leben genießen und Spaß haben. 

Dieser Anspruch setzt sich in den Welpengruppen fort.

Doch was lernt der Welpe in dieser Zeit?

Ein Welpe, der überwiegend mit äußeren Faktoren befasst ist und völlig unvorbereitet in eine Gruppe voller ebenso unvorbereiteter Welpen und Menschen landet, lernt im besten Falle, dass es sehr viel Spaß ohne seinen Menschen haben kann und im schlechtesten Falle, dass sein Mensch ihm weder Schutz noch Orientierung bietet, sollte es mal kritisch werden.

Das klingt drastisch, ist aber in 90 % der Fälle leider das Ergebnis einer nicht vorhandenen Welpen”erziehung” und dem Fokus auf vermeintlicher Sozialisierung. 

Fragen, was erwarte ich von meinem Welpen

  • Möchten Du, dass Dein Hund später selbstverständlich zu jedem anderen Hund hinläuft und diesen freudig begrüßt?

Wenn dem nicht so ist, solltest Du Deinen Welpen nicht zu jedem fremden Hund hinrennen lassen.

  • Möchtest Du, dass Dein Hund später nervös und unsicher ist, wenn er selbst angeleint, sein Bewegungsspielraum also eingeschränkt, ist?

Nein? Dann solltest Du im Training und während der Spaziergänge darauf achten, dass Dein Welpe bereits sehr früh lernt, dass er sich an der Leine sicher fühlen kann, nicht einfach angefasst oder von fremden Hunden “überfallen” wird, auch wenn es noch so freundlich gemeint ist.

  • Möchtest Du  einen Hund, der sich in kritischen Situationen an Dich wendet?

Dann achte  darauf, dass du möglichst früh an einem zuverlässigen Rückrufsignal arbeitest, die Körpersprache Deines und anderer Hunde(-rassen) lesen lernst und schwierige Situationen für Deinen Welpen regelst.

  • Möchtest Du einen Hund, der zuverlässig zurückkommt und stets mit einem “Ohr” bei Die ist?

Wenn dem so ist, solltest Du Deinen Welpen nicht erst unkontrolliert die große weite Welt öffnen, um ihn dann im Junghundealter (das ist die Phase, in welcher Hunde einem gern mal die “Mittelkralle” zeigen und erahnen lassen, was man bisher alles nicht ausreichend geübt hat) an die Schleppleine zu legen. Es ist wesentlich leichter anders herum zu beginnen 😉

  • Möchtest Du einen Hund, der jedem Schmetterling, jeder Taube oder jedem Reh hinterher rast und der den meisten Spaß “ohne Dich” hat?

Sicher nicht. Mache Deinen Welpen nicht dauernd darauf aufmerksam wie lustig Jagdspiele sind. Dazu gehören häufiges Bällchenwerfen, Buddeln, wo man steht und geht, regelmäßiges Malträtieren und Fleddern von Quitschspielzeugen und das putzige Fangen von Fliegen an der Fensterscheibe und anderen “jagdassoziierten” Spielen ohne Start- und Schlusszeichen. 

Dies sind einige Beispiele dafür, in welchem krassen Widerspruch unser Umgang mit Welpen zu unseren späteren Anspruch im Alltag steht. Glaubt mir: Auch Hundetrainer sind davon nicht ausgenommen 🙂

Ist das süße Welpilein erstmal erwachsen und hängt mit 30 kilo an der Leine, kommt nicht zurück wenn Du ihn rufst, beschäftigt sich beim Spazierengehen lieber mit sich oder anderen Hunden und Menschen, ist es meist viel schwieriger wieder “zurück auf Los” zu gehen.

Besonders deutlich wird das, wenn Du mit Deinem Junghund die gewohnte Umgebung verlässt und feststellst, dass Signale, von denen Du dachtest, dass sie eigentlich “schon ganz gut” klappen, plötzlich überhaupt nicht mehr funktionieren.

Was passierte bis jetzt in der Welpenspielgruppe?

Natürlich habe ich als Trainer einen großen Gestaltungsspielraum, was im Rahmen der Gruppenstunde geschieht und gelernt werden soll. Meine Vorstellung unterscheidet sich jedoch meist von der, mit welcher die frisch gebackenen Hundeeltern die Welpengruppe aufsuchen.

Zudem sind die Voraussetzungen der jeweiligen Hundehalter meist sehr unterschiedlich.

In unserer klassischen Welpengruppe stand das “Spiel” im Vordergrund. Selbst bei regelmäßigem Eingreifen meinerseites, kann ich nicht gewährleisten, 6 Welpen gleichzeitig im Blick zu haben und währenddessen noch zu erklären, warum, weshalb und wie nun grade ein vermeintliches Spiel unterbrochen wurde oder weshalb man ein wilderes Spiel auch mal laufen lässt.

Die wenigsten Welpen haben bereits eine ausreichende Bindung zu ihrem Menschen, um diesen aufzusuchen, wenn sie überfordert sind. Denn das müsste vor der Gruppensituation geübt worden sein. Die wenigsten Menschen erkennen die Überforderung überhaupt und sehen keinerlei Notwendigkeit einzugreifen oder aber das Gegenteil ist der Fall: Sie sind überängstlich und übertragen die Anspannung auf ihren ohnehin schon aufgeregten Welpen. 

Was man in Welpenspielgruppen als “Spiel” oder wildes Toben beobachtet, ist meist keinesfalls ein respektvolles Kennenlernen oder Miteinander. Vielmehr dient das Spielen, besonders bei jungen Hunden, der Konfliktlösung. Es bedarf also einer guten Hundekenntnis und das Kennen des jeweiligen Welpen, um einschätzen zu können, was sich zwischen den süßen Kleinen grade tatsächlich “abspielt”.

Um wirklich miteinander zu spielen, Grenzen kennenzulernen und zu kommunizieren (Stichwort “Sozialisierung & Sozialspiel”), benötigen die Welpen unterschiedlich viel Zeit miteinander. Und auch Sie als Mensch benötigen unterschiedlich viel Zeit, um sich an das “laufen lassen” zu gewöhnen und ihren Welpen eventuell auch von einer ganz anderen Seite kennenzulernen. 

Sollen dann die Welpenbesitzer das erste Mal den Rückruf “Ausprobieren” lernen die meisten Welpen Folgendes:

  • Andere Dinge sind spannender als mein Mensch. Ich komme maximal NACHDEM ich hier fertig bin. Was soll das Rufen überhaupt? Immerhin muss ich so garnicht mehr nach meinem Menschen schauen, ich höre ihn ja.
  • Mein Mensch wird immer aufgeregter, wütender, unsicherer. Anscheinend ist das hier eine brenzlige Situation oder benötigt mein Mensch etwa meine Hilfe?
  • Stress! Mein Mensch ruft, ich würde so gerne hin, aber 3 andere Welpen verfolgen mich und ich kann meinen Menschen nicht erreichen.

Am diesem Beispiel wird ein weiteres Problem der Welpengruppen besonders deutlich: In einer neuen, aufregenden Umgebung, mit vielen fremden Welpen und Menschen, ist es für einen jungen Hund fast unmöglich, sich zu konzentrieren, geschweige denn völlig neue Signale zu erlernen. auch Dir wird das zunächst vielleicht schwerer fallen. Denn Du bist plötzlich nicht nur Hundehalter, sondern Schüler und Lehrer gleichzeitig.

Die ganze Bandbreite an Erfahrungen

Natürlich gibt es einige Hunde, die völlig unbeschadet eine wilde Welpengruppe überstehen und auch während der Flegelphase zuverlässig “hören”, obwohl es nie richtig geübt wurde oder grade erst begonnen wurde.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Dein Welpe -im schlechtesten Fall- traumatisiert, eine Leinenaggression oder generell ein “asoziales” Verhalten gegenüber Artgenossen, entwickelt oder -im besten Fall- einfach die wertvolle Welpenzeit verpasst wird, um den Grundstein für den Hundealltag zu legen, den Du Dir vorgestellt hast, ist relativ hoch. 

Selbstverständlich soll ein Welpe möglichst viele Dinge und Lebewesen kennenlernen dürfen und Erfahrungen sammeln. Die wichtigste Frage dabei ist jedoch, ob der Welpe, als kleines, unerfahrenes Lebewesen, in einer mal “offenen” oder “misstrauischen” Prägephase befindlich, diese Erfahrungen auch tatsächlich als positiv verbucht und wie wir das als Hundehalter oder -trainer sicherstellen beziehungsweise möglichst optimal steuern können. 

Ein Welpe, der mit eingezogener Rute und aufgerissenen Augen zwischen die Füße irgendeines Menschen flüchtet hat Angst. Das ist weder süß noch lustig aber ziemlich sicher, dass er mit wachsendem Alter eine entsprechende Strategie entwickeln wird, um solche Situationen anders zu lösen. Es ist Dir und Deinem Hund zu wünschen, dass Du ein Ansprechpartner bist, wenn es darum geht, eine Verhaltensalternative zu dem bisherigen Panik-Programm zu entwickeln.

Auch ein Welpe, der vermeintlich sehr verspielt und etwas tollpatschig auf jeden neuen Kumpel drauf springt, über ihn drüber latscht bzw. rennt und vor lauter Übermut kaum noch klar denken kann, lernt nicht das, was ihn zu einem zuverlässigen, freundlichen und vor allem entspannten Alltagsbegleiter macht. Auch hier: Der eine Welpe ist nicht besser oder schlechter als der andere. Beide benötigen nur andere Grenzen und Regeln und vor allem einen zuverlässigen und fairen Menschen, welcher sie durch die “Ausprobierzeit” führt. 

Und genau aus diesem Grund stellt der GHV- Tornesch seine Welpenspielgruppe ein. 

Wenn Ihr einen neuen Welpen habt, lasst diesen bitte erst einmal bei euch zu Hause ankommen. Mindestens eine Woche. Dann kommt ihr an einem Samstag zu uns auf den Platz, aber erst um 14:00, damit Ihr euch gemeinsam mit dem felligen Mitbewohner die Örtlichkeiten, anschauen könnt. Ohne Gruppe, ohne andere Hunde einfach nur Ihr und schaut Euch das alles ganz in Ruhe mit Eurem Welpen an.

Dann gibt es jetzt 2 Welpengruppen:

13:00 -13:30 8-14 Woche und

13:30 -14:00 15 -20 Woche.

Wir werden mindesten 1x im Monat Ausflüge machen, z.B.: Tierpark, Quickborn, Tornesch usw.

Ich freue mich auf Euch!

Liebe Grüße Claudi